Tabu-Themen in der Fantasy oder SciFi - Brida Anderson

Tabu-Themen in der Fantasy oder SciFi

In einer Autorengruppe kam die Frage auf, welche Themen man als Autor:in niemals in seinen Büchern aufgreifen würde.

Die Autorin Hope Cavendish antwortete sehr gut, dass es ihr mehr auf das WIE ankommt als auf das Was.

Ich habe natürlich gleich für mich überlegt, also für mich als Autorin aber auch als Leserin: Gibt es Themen, die ich nicht lesen oder nicht schreiben würde?

Inzwischen gibt es ja etliche Genre-Bücher mit Triggerwarnungen und ähnlichem. Und ich denke dann immer (genau wie Hope es sagt): „Na ja, es kommt darauf an, wie Du mit dem Thema umgehst, lieber Autor.“

Ich lese z. B. sehr viel Urban Fantasy, SciFi Romance und PNR. Gerne Autorinnen, bei denen sexuelle Gewalt und andere Gewalt gegen Frauen ein häufiges Thema ist. Sowohl in der Vorgeschichte als auch im Verlauf der Handlung Das ist teilweise Klasse gemacht und nicht nur als billige Originstory verwendet.
Ob das Thema ein „Problem“ ist, hängt eben auch von der Geschichte ab und wie es eingebaut wird. Bei Krankheiten, Vergewaltigung etc. ist auch wichtig, wie das „Problem“ in der Charakterentwicklung im Lauf der Geschichte gelöst wird.

Egal, was es ist: Wenn die Autoren solche eher drastischen Dinge nur als Spannungselement benutzen und dann einen Zauberstab wedeln und die Heldin ist das Problem plötzlich los (Krankheit, Traumatisierung, etc.), dann rege ich mich als Leserin tierisch auf und lese die Autoren im Zweifelsfall nicht mehr.

Einschub: PNR? SciFi oder doch SF?
Ich habe neulich gelesen, dass man für Science Fiction bloß nicht „SciFi“ sagen soll sondern SF. Ich habe die Begründung schon wieder vergessen, aber für mich klingt SF völlig beliebig. Vielleicht wegen BASF? Könnte ja auch Solidarische Fiktion heißen. Oder …
Ich habe auch SciFi Romance als solches kennengelernt und nicht als SFR, wie man jetzt sagen soll. Was für ein Schwachsinn. Aber ich sage ja auch nicht UF zu Urban Fantasy. Anyway: PNR ist Paranormal Romance und SFR ist eben SciFi Romance.

Was ich als Autorin einfach nicht schreiben könnte (glaube ich), ist Gewalt gegen Kinder oder Tiere. Ich musste da einige Romane im Studium lesen (gern aus den US Südstaaten), wo ich mir nachher nur das Gehirn auswaschen wollte. Das möchte ich weder meinen Leserinnen antun noch mir beim Schreiben.

Manchmal grübele ich, ob ich da über meinen Schatten springen sollte. Ich lese z. B. sehr gern Ilona Andrews und da kommen jede Menge Quälereien in Variation vor — sonst sind nämlich die Antagonisten nicht grausig und furchtbar genug. Aber wie viele Details müssen in der Szene sein, damit die Bösartigkeit etabliert wird? Wie lang muss die Szene sein?

So gern ich Andrews lese: Einige Bücher der Romance-Serie „The Edge“ konnte ich nicht ein zweites Mal lesen, weil es mir zu brutal war. Zu viel ausgeschmückt, was der Böse getan hat.

Ich glaube, es liegt daran, dass ich alles, was ich lese und was ich schreibe, als FILM vor meinem inneren Auge sehe. Ich kann eine Hand sehen, die ein Messer gegen einen Baby-Greif erhebt oder Kankalin, die von einem Dorn durchbohrt wird. Das ist dann schrecklich und tragisch, aber wenn der Plot es erfordert, kann ich das schreiben.

Aber wenn man das Gefühl hat, diese Handlung wird genüsslich seitenlang im Detail geschildert … Du siehst nicht nur die Handlung. Der Autor zerrt dich mit allen Sinnen in die Szene. Lässt dich die panischen Schmerzensschreie des Greifenbabys hören, du siehst das vor Angst um ihr Kind verzerrte Gesicht der Greifenmutter, hörst, wie sie wieder und wieder dumpf mit dem Körper gegen die Gitterstäbe ihres Käfigs prallt, schmeckst den metallischen Beigeschmack des Bluts, während das Kleine noch ein paar Mal schwach mit den Pfötchen … etc.
Seite um Seite.

Da bin ich dann häufig genervt von Büchern, die ich lese. So nach dem Motto: „Jaha! Der ist voll böse! Ich habe es kapiert! Können wir jetzt mal weiterkommen?“ ;-)

In Game of Thrones gab es auch solche Szenen. Mein Mann nennt es nur noch „Torture Porn“. Wenn schon längst klar ist, was diese Szene an Informationen rüberbringen soll und es geht erstmal noch lange weiter.

Aber diese Entscheidung „Ist das jetzt genug?“ ist natürlich sehr subjektiv – sowohl beim Leser als auch beim Autor. Da ich gern Bücher mit traumatischen Ereignissen in der Vorgeschichte lese (siehe oben), bin ich immer heilfroh, wenn ich Autor:innen finde, die das so beschreiben, dass ich mitgehen kann mit der Geschichte, ohne im Anschluss das Gefühl zu haben, ich muss mir die Hirnwindungen auswaschen.

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Alles Liebe

Brida



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