Feenmorgen - Brida Anderson

Feenmorgen

Selbst Downton Abbey wird mal langweilig. Und im Bett liegen und unendliche Lesezeit haben auch.

Wirklich? Das hätte ich mir niemals vorstellen können. Normalerweise springe ich so zwischen meinem Job, den Kindern, meinen Buchprojekten, dem Haushalt und den Posts für Social Media im Dreieck, dass ich tatsächlich davon träume, mal eine Handvoll Tage nur zum Lesen zu haben. Oder zum Lesen und Lieblingsserien gucken.

Jetzt liege ich seit knapp 3 Wochen mit einer Schilddrüsenentzündung flach. Am Anfang war es mir so elend, dass ich gar nichts machen konnte, nur auf dem Rücken liegen, weil die Schilddrüse so schmerzhaft war (bis hoch in die Ohren und runter in den Kiefer), dass ich den Kopf nicht zur Seite drehen konnte. Mein Mann hat mir einen Tablethalter über dem Bett angeschraubt und ich lag quasi wie der hilflose Käfer auf dem Rücken darunter. Neben dem Bett stand der gepackte Klinikkoffer, weil meine Hausärztin in hellen Nöten war wegen meiner Blutwerte. Das hat mir natürlich auch Angst gemacht. (Und ich hasse Krankenhaus.) Ich habe mich in „Downton Abbey“ gestürzt, um mich abzulenken, und die Serie noch einmal ganz von vorn angesehen. Jeden Tag, den ganzen Tag. Was anderes ging nicht.

Die ganzen drei Wochen ging der Blick vom Bett aus auf meinen Schreibtisch, wo der breite Curved-Monitor prangte, den ich mir endlich gegönnt habe. Er ist nicht hoch, sondern breit – so kann ich endlich mein Manuskript und die Anmerkungen der Betaleserinnen groß nebeneinander sehen. Bisher musste ich beides in winzig anzeigen lassen oder für jede einzelne Korrektur zwischen den Dokumenten hin und her springen. Du kannst dir vorstellen, wie viel Zeit man da verschwendet, bei 5 Manuskripten mit Anmerkungen, die hintereinander eingearbeitet werden!

Aber genau an dem Tag, als mein Mann mir den Monitor mit einem beweglichen Arm an den Stehschreibtisch geschraubt hatte, wurde ich so krank.

Seit Mitte letzter Woche bin ich in der „Hamsterphase“, wie mein Mann das nennt. Es geht mir wieder so gut, dass ich nicht im Bett bleiben muss. Ich will endlich an Feenmorgen!!

Aber ich habe immer noch das Problem, dass ganz plötzlich die Schilddrüse wieder aufdreht. Dann gibts Schwindel, bis zum Aus-den-Latschen-Kippen, Herzrasen, ein Gefühl wie Schüttelfrost, mein Blutdruck geht ganz plötzlich hoch. (Einige von euch leben jeden Tag damit. Ich ziehe meinen Hut!) Ich bin sonst eher der Typ mit niedrigem Blutdruck. 120:80 ist mein Standard oder niedriger.

Für blutdrucksendende Mittel sind meine Werte zu niedrig und zu sporadisch.

Die Ansage: Ich soll mich dann hinlegen. „Entspannen Sie sich, lesen Sie was, schauen Sie sich was an, das Sie ablenkt.“

Ja, aber! Aber ich will endlich an FEENMORGEN und an die ganzen Texte, die für meinen Job liegen geblieben sind. Der Berg wird immer höher.

Da kann mich weder Netflix noch mein E-Book-Reader verlocken.

Jetzt habe ich in den sauren Apfel gebissen und mir einen höhenverstellbaren Unterbau für meinen Schreibtisch bestellt. Denn ich bin noch zu schlapp, um wieder im Stehen arbeiten – was ich sonst seit zwei Jahren so gut wie immer mache. Aber das Arbeiten am Küchentisch, mit kleinem Macbook-Bildschirm, geht beim Schreiben – aber nicht beim Überarbeiten.

Ich steige also heute, mit 3 Wochen Verspätung, mit dem Einarbeiten des Betaleserinnen-Feedbacks in FEENMORGEN. In kleinen Happen, immer, wenn es mir gut geht.

Du siehst: Es geht voran, wenn auch nicht so flott wie geplant.

Ein großes Glück für mich ist, dass ich beim nächsten Projekt zum ersten Mal mit einer Co-Autorin schreibe. Während ich flach gelegen habe, hat sie am nächsten Buch weitergeschrieben und das Worldbuilding noch ausgebaut. Ein wirklich schönes Gefühl, das „Buchbaby“ in guten Händen zu wissen. <3



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