So wirst du das alte Jahr los - Brida Anderson

So wirst du das alte Jahr los

»Wir haben das Feuer ohne dich angezündet, ich hoffe, das ist nicht schlimm«, sagte Anna Persson.
»Ich war in Versuchung, auch gleich das Julholz draufzulegen«, neckte ihr Vater Astrid. Erik nickte mit dem Kopf auf einen dicken Scheit neben dem Kamin. »Er sieht dieses Jahr wirklich hübsch aus.«
Astrid grinste. »Das würdest du nicht wagen.«
Sie hatten das Julholz vor ein paar Tagen gemeinsam geschmückt, damit die Dekoration etwas austrocknen konnte vor dem Weihnachtsabend. Astrid liebte viele der skandinavischen Weihnachtstraditionen ihrer Familie, aber das Julholz zu dekorieren war ihre Lieblingsbeschäftigung. Sie wanden Ranken um das Holz und dann fand oder bastelte jeder Dekorationen, die brennbar waren. Einiges davon, wie Blumen und rote Papiersterne, sah hübsch aus, anderes, wie getrocknete Lavendelzweige oder Rosmarin aus ihrem kleinen Garten, wurde für den Duft hinzugefügt. Zu guter Letzt hatte Astrid alles mit einer roten Kordel zusammengebunden.
Astrid lächelte. »Ich finde, dieses Jahr haben wir uns mit der Deko selbst übertroffen.«

Brida Anderson: »Winterfee«

In Winterfee hast du schon von der Tradition des Julscheits oder Julholzes gelesen.

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann und wo ich zum ersten Mal diesen Brauch kennengelernt habe, aber ich war im wahrsten Sinne gleich Feuer und Flamme dafür, auf diese Weise das alte Jahr ausklingen zu lassen.

Mir gefällt besonders, dass das Julholz uns durch den Advent bis Silvester begleitet. Ich sammele Anfang Dezember Material für den Scheit zusammen. Traditionell würde man es am 21.12. oder an Heiligabend anzünden, aber wir tun das an Silvester.

Aber genug der Theorie. Was machst du denn in der Praxis mit so einem Julscheit?

Du suchst dir Anfang Dezember einen Holzscheit oder einen Ast aus. Er sollte so handlich sein, dass du ihn in deinem Kamin, einer Feuerschale oder zur Not dem Grill verbrennen kannst.

Suche dir im Wald, in deinem Garten, bei Freunden … brennbares Naturmaterial, das dich anspricht. Viele umwinden den Scheit erst einmal mit Efeu und ergänzen dann „Reste“ aus dem Garten. Für mich fühlt es sich immer sehr stimmig an, wenn ich die inzwischen abgestorbenen Reste von Pflanzen, die mir im Sommer sehr gefallen haben, dazugebe, wie z. B. verblühte Zweige von Lavendel und Thymian. Generell eignen sich getrocknete Gewürz- und Kräuterbuschel gut für den Julscheit. Ich gebe immer auch ein paar Zweige Rosmarin dazu und dieses Jahr einen Zweig Lorbeer. Das duftet so gut! In schwierigen Jahren füge ich Rosenschnitt mit Dornen hinzu. Wähle das aus, was dich bei Berührung anspricht. Hauptsache, es ist brennbar.

Verziere das Julholz mit einer dicken roten Schleife


Das ganze umwindest du ein paar Mal mit einer dicken, roten Stoffschleife. Verknote sie so, dass du sie später wieder lösen kannst. Du kannst auch rote Kugeln und andere Deko ergänzen. Den fertigen Julscheit lässt du z. B. auf einer Fensterbank über einer Heizung bis Weihnachten oder Neujahr trocknen.

Das Ritual mit dem Julscheit

Am Tag des Rituals bereitest du kleine Zettelchen vor, eins für jede Person, die am Ritual teilnimmt. Wähle die Papierfarbe, die dich anspricht.

Jeder schreibt oder malt im Verborgenen auf einen Zettel, wen oder was man gern nicht mit in das neue Jahr nehmen möchte. Das können schlechte Angewohnheiten sein, nervige Personen, Sorgen … Die Zettel werden zusammengefaltet, sodass man sie nicht mehr lesen kann und zwischen die getrockneten Kräuter geschoben, möglichst dicht an den Scheit.

Du entzündest ein Kaminfeuer oder eine Feuerschale im Freien. Vor dem Verbrennen musst Du vermutlich die rote Schleife entfernen (die meisten „Stoff“-Geschenkbänder bestehen aus Kunststoff) und alle weitere Deko, die nicht brennt.

Dann verbrennst du den Julscheit. Bleib so lange achtsam beim Feuer stehen, bis wenigstens die Zettel verbrannt sind. Damit lässt du das vergangene Jahr spürbar hinter dir.

Ich wünsche Dir ein magisches nächstes Jahr und alles, alles Gute!

Lass dich verzaubern!

Deine Brida



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