Titel: Greifenmorgen
Serie: Astoria Files #3
Mitwirkende: Brida Anderson
Genre:
Seitenanzahl: 240
ASIN: B074N928L1

Alanna Atwood ist nicht die typische Spieledesignerin. Ihr Team ist ein Haufen Zauberer und die IT-Firma, für die sie arbeiten, ist nur die Front einer geheimen Magiergilde — im Gehalt inbegriffen: tägliches Training von Bannzaubern und eine Flatrate für Zauberutensilien.

Alanna ist zurück in Toronto, zurück in ihrem »alten« Leben als Spiele-Entwicklerin bei Astoria. Doch sie weiß, es ist die Ruhe vor dem Sturm, denn Faerie ist dem Untergang geweiht. Die letzte Zuflucht der Feen: unsere Welt.

Als die ersten Feen angreifen, ist schnell klar: Alanna und ihr zusammengewürfeltes Team aus IT-Nerds und Elben sind die einzigen, die die Erde noch vor dem Ansturm der Feenhorden retten können.

Band 3 der Astoria Files-Serie.

Romantische Urban Fantasy

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EINS

»Denkt dran, dies ist keine Übung!« Rufus’ Stimme klang selbst über das Headset noch angespannt. »Ich wiederhole: Dies ist keine Übung! Eine Gefahr ist nicht auszuschließen.« 

»Ach, echt jetzt?«, murmelte ich. Der Oger vor mir war über zwei Meter groß, grünhäutig, mit langen spitzen Ohren und Hauern, die sich aus seinem Unterkiefer hervorwölbten. In den Händen hielt er einen langen Kriegshammer, mit dem er gerade ausholte.

Tiefe Dellen in der Feuerschutztür zeigten, was den Radau vorhin verursacht hatte, der Nick und mich überhaupt ins Treppenhaus gelockt hatte. Das war das Ziel des Ogers. Das Allerheiligste Astorias – hinter dieser Tür lagen die Vorstandsetage und das Hauptquartier der Konzernsicherheit. Konnte es ein Zufall sein, dass er ausgerechnet diese Tür attackierte?

»Können wir jetzt bitte schreien und wegrennen?«, flüsterte Nick.

Vor einer halben Stunde hatte die Konzernsicherheit Alarmstufe Rot ausgelöst, da die Überwachungskameras zwei undefinierbare grüne Schemen im Untergeschoss unserer Firma aufgezeichnet hatten. Nick und ich hielten es für einen Fehlalarm und waren in Büroklamotten zum Sammelpunkt gelatscht. Zu unserer Überraschung hatten die Typen von der Security uns dort zwei Sensen mit langem Stiel ausgehändigt. »Nur zur Sicherheit, sollte eine Verteidigung mit Magie nicht ausreichen.« 

»Was glaubt ihr denn, was die grünen Blobs sind?«, fragte ich irritiert.

»Schlimmstenfalls Feenwesen, die sich mit Deckungszaubern tarnen.«

Die Zentrale war von nicht magisch begabtem Personal geräumt worden, bevor die Security alle Magier in Grüppchen aufteilte und in jeden Winkel der Firma schickte.

Nick und ich waren Spieleentwickler. Wir sollten in unserem gemeinsamen Büro sitzen und an den letzten Details unseres 3D-Egoshooter-Spiels feilen. Stattdessen liefen wir durch unsere Firma, weil sich Rufus, unser Chef, einbildete, dass wir als Magier auch ohne Unterstützung der Security mit Eindringlingen super klarkämen.

Als Plan B hatte jeder Magier neuestens eine japanische Langwaffe dabei. Ein Waffenexperte hatte die Naginatas empfohlen, da sie nicht viel Training erforderten und man sie mit beiden Händen führen konnte. Was ich persönlich viel wichtiger fand: Sie waren lang. Also konnte man sie einsetzen, ohne zu nah an den Gegner ran zu müssen. Vorausgesetzt, der Gegner war nicht zufällig über zwei Meter groß. Verdammt!

Wo war der zweite Oger?

Der erste hatte offensichtlich die Tarnung fallen lassen. Er drehte uns den breiten Rücken zu und glotzte aus kleinen gerissenen Knopfaugen die Metalltür an. Muskeln malten sich unter der rissigen Haut ab, als er den Hammer abwägend von einer Hand in die andere warf. Der Hammer war definitiv länger als ich. 

Zum Glück hatte er uns noch nicht entdeckt, wie wir da auf dem Treppenabsatz eine halbe Etage höher kauerten. Ich gab Nick meine Naginata zu halten und filmte die massige Gestalt vor uns mit meinem Ino. Ein Hoch auf das winzige Mini-Tablet, das alle Magier wie ein Armband ums Handgelenk trugen. 

Wieder prallte der Hammer dröhnend gegen das Metall. Der Lärm war ohrenbetäubend.

Ich markierte das Video mit unserem Standort und schickte es an Rufus und die Konzernsicherheit. Hoffentlich dauerte es nur ein paar Minuten, bis sie uns aus der Patsche halfen.

Rufus hatte uns um zehn Uhr nachts wegen der Oger zusammengetrommelt. Um die Uhrzeit war ich nicht etwa zu Hause im Bett gewesen, sondern hatte noch gearbeitet. Die Grenzen zwischen echtem Job und Magietraining, zwischen IT-Firma und Magiergilde verschwommen schon seit Wochen jeden Tag mehr. Genau genommen seit dem Tag, an dem ich aus Versehen die Schutzwälle zwischen unserer Welt und der Feenwelt zerbrochen hatte.

Ich hatte Rufus vor dem gewarnt, was eines Tages von dort den Weg in unsere Welt finden würde: magische Wesen wie Drachen oder bösartige Winddruden. Ich vermutete, dass sie sich erst mal durch die Dornenhecke zwischen unseren Welten kämpfen mussten. Nur die wirklich Harten würden es bis zu uns schaffen –– wie dieser Oger?

Da Rufus den ersten Drachen mit mir zusammen gesehen hatte, glaubte er mir. Er hatte alle Projekte auf Eis legen lassen und trainierte uns seitdem in Verteidigungs- und Angriffszaubern. Er hatte auch die Datenbanken aus meinem Fantasy-Egoshooter Forest of Fiends in die Magierdatenbank hochgeladen, damit wir rechtzeitig gewarnt wurden, wenn etwas Verdächtiges auftauchte. Heute kam der erste Alarm.

»Ob Stan Lee wohl einen Oger getroffen und so den Hulk erfunden hat?«, flüsterte ich. Prompt servierte mir mein Verstand Bilder, wie der wütende Oger mich auf den Boden schlug und »Mickriger Mensch!« brüllte.

»Immerhin würde das bedeuten, dass man die Begegnung mit so einem Vieh überleben kann.« Nick spielte nervös am Holzgriff seiner Waffe herum.

Der Oger rappelte am Türgriff, dann stieß er einen gutturalen Frustschrei aus.

»Rufus, ich habe ihn im Blick«, hauchte ich ins Headset. »Ich bestätige: Einer der Oger befindet sich im Treppenhaus zwischen Level 1A und 2A. Schickt Verstärkung!«

Der Oger drehte sich um. Seine dunklen Augen sahen mich direkt an. »Auf?«

»Die Tür bleibt zu«, rief ich.

Nick biss sich nervös auf die Lippen. »Ich weiß nicht, ob es so eine gute Idee ist, ihn anzuknurren.«

Es dauerte einen Moment, bis ich kapierte, dass ich dem Oger in seiner eigenen Sprache geantwortet hatte. Ich hatte in Faerie erfahren, dass ich von Elben abstammte. Das hatte unter anderem den netten Nebeneffekte, dass ich alle Sprachen verstehen und sprechen konnte. Da ich den Magiern bei Astoria nicht auf die Nase binden wollte, dass ich anders war, hatte ich meine neuen Talente verschwiegen.

»Haltet ihn da«, rief Rufus. »Die Teams sind auf dem Weg ins Untergeschoss. Da wurde der zweite Oger gesichtet.«

»Du machst die Tür auf!«, herrschte mich der Oger an.

Ich wählte Marc Dunn an, den Chef der Security. »Marc, hier wird es eng. Wir müssen uns zurückziehen.«

»Auf!« Der Oger machte einen Satz auf uns zu. Für seine Größe war er erstaunlich agil.

»Shit, shit, shit!« Nick und ich wirbelten herum und hechteten die Stufen zum nächsten Treppenabsatz hinauf. Nick fiel hin und seine Waffe schlug laut klappernd auf das Metallgeländer.

Der Oger legte die Ohren an und bleckte die schmalen Lippen zu einer Grimasse. Das Knurren tief aus seiner Kehle klang gar nicht gut.

Ich hielt die Naginata abwehrbereit vor mich, aber stand wie erstarrt vor Schreck.

»Tür auf!«, befahl der Oger und hob seinen Hammer.

Meine Hände zitterten, aber ich blieb, wo ich war. Der Oger durfte uns nicht entkommen. Mit dem Deckungszauber konnte er dann wieder überall sein und aus dem Hinterhalt angreifen. 

Was hätte ich jetzt dafür gegeben, einen Controller statt dieser Waffe in der Hand zu halten! Oger in Computerspielen plattzumachen war ich ja gewohnt.

Jeden Moment musste doch Verstärkung die Treppe heraufkommen.

»Leute!«, schrie ich ins Headset. »Setzt eure Ärsche in Bewegung! Ihr seid fünfzig Mann gegen einen Oger. Da könnt ihr nicht zwanzig zu uns schicken?«

Ich hatte die Astoria-Security noch nie gemocht. 

Nichts bewegte sich. Niemand kam uns zu Hilfe.

Ich wedelte mit der Klinge. »Geh zurück dorthin, wo du herkommst, Oger. Verlasse Albion!«

Der Oger grinste und mit einem Mal sahen sein Gesicht und seine Augen nicht mehr dümmlich aus, sondern erschreckend clever. »Neeee. Geh nicht zurück. Hier gibt es Essen. Licht. Und Menschen.« Er klopfte sich die Faust der freien Hand gegen die breite Brust. »Ich bleibe. Ich lerne mehr über Menschen.«

Verdammt. Er wollte etwas über Menschen lernen? Bedrohte ich gerade einen neuen Einwanderer mit einer Waffe, nur weil er anders aussah und eine Menge Krach machte?

Sollte ich den anderen Bescheid sagen? Aber dann musste ich zugeben, dass ich die Grunzlaute von Ogern verstand. Verdammt, verdammt!

»Was jetzt?«, flüsterte Nick. Er hatte sich zusammengerissen und stand, die Naginata kampfbereit erhoben, zwei Treppenstufen über mir. 

»Hier unten ist irgendwas«, kam eine Frauenstimme über das Headset. »Wir sind im zweiten Stockwerk der Tiefgarage, Sektion Sub 4.« 

Ich war mir nicht sicher, wer gesprochen hatte, aber Nick erstarrte wie elektrisiert, Entsetzen im Gesicht. Dann war die Sprecherin wohl Rikka, seine große Flamme. Sie leitete die Abteilung für Forschung und Entwicklung bei Astoria.

Rikkas Stimme wurde verzerrt. Die Übertragung brach immer wieder ab. Der Empfang aus der Tiefgarage war echt schlecht.

»Mach dir keine Sorgen«, flüsterte ich. »Sie ist brillant im Magiekampf.« 

Er hob die Hand, um mich zum Schweigen zu bringen, und drückte sich das Headset so fest ins Ohr, dass ich Angst hatte, es würde gleich darin verschwinden.

»… noch kein Blickkontakt, aber hier ist definitiv was. Was Großes.« Rikka klang außer Atem. »Molly ist verschwunden. Molly, hörst du mich?«

Nur Knistern antwortete über das Headset. 

»Auf!«, grunzte der Oger mit kehliger Stimme. Er schlug den Hammer gegen das Treppengeländer. Der scharfe Knall ließ das Treppenhaus erzittern, dann brach das Geländer ab und fiel scheppernd die Treppe hinunter.

»Molly, bist du das? Was …« Die Verbindung zu Rikka riss ab.

»Marc, ihr müsst ihr helfen!«, schrie Nick.

Leider steckte die Konzernsicherheit noch im Fahrstuhl auf der anderen Seite des Gebäudes. Es konnte noch zehn Minuten dauern, bis sich die Männer und Frauen durch die Tiefgarage zu Rikkas Position vorgearbeitet hatten. 

Sub 4 war das Parkdeck genau zwei Stockwerke unter uns. Die beiden Oger waren vermutlich am selben Punkt gestartet, einer hatte sich nach unten vorgearbeitet, einer nach oben. Um was zu tun? Wieso waren sie von allen möglichen Zielen in Toronto ausgerechnet bei Astoria eingebrochen?

»Geh! Hilf ihr!«, befahl ich Nick. Das gab mir die Chance, mit dem Oger zu reden, ohne dass ein Gildemagier hörte, wie ich gutturale Grunzlaute von mir gab. Das war bestimmt alles ein blödes Missverständnis. Wenn Mattis sich vor Menschen als Fee enttarnte, würde ich doch auch wollen, dass sie ihn nicht abschlachteten, sondern erst einmal mit ihm sprachen. Das wäre doch der Clou, wenn ich es schaffen würde, die Situation mit den Ogern ins Reine zu bringen ohne weiteres Blutvergießen. Danach mussten mich die Magier doch endlich als vollwertiges Gildemitglied akzeptieren!

Nick starrte mich an. »Ich soll dich mit einem Oger allein lassen? Bist du verrückt?«

Aber der Widerstand war nicht echt. Es zerriss ihn förmlich, dass er Rikka helfen könnte und stattdessen hier feststeckte. 

Für den Fall, dass der Oger schon Menschensprache verstand, tippte ich schnell eine Nachricht an Nick auf meinem Tablet. 

Das Back-up-Team ist gleich da. Ich mache mich unsichtbar und folge dem Oger nur.

Mir schlotterten bei dem Gedanken zwar die Knie, aber ich hatte in Faerie gegen Heckenbiester gekämpft, die gestandene Elfenkrieger zerlegt hatten. Da würde ich mich von so einem Oger ja wohl nicht ins Bockshorn jagen lassen. Ich wollte mich endlich beweisen bei den Magiern. Seitdem meine Magie erwacht war, hatte ich den Ruf weg, dass mit mir etwas nicht stimmte. Das hier war meine Chance, den anderen zu zeigen, was ich draufhatte. 

Nick gab mir die Naginata zum Halten. Sein Blick wanderte ins Leere, während er hastig die Datenbank nach einem Tarnzauber absuchte. Er zog einen Block Haftzettel aus der Hosentasche und kritzelte komplexe Runen mit einem silbernen Gelstift darauf. Die Haftzettel pappte er an seine Kleidung und auf seine Turnschuhe. Bis vor ein paar Wochen hatte ich auch so gezaubert, mit schriftlichen Runenzeichen, aber inzwischen machte es mich ganz kribbelig, dabei zuzugucken. Die Elben zauberten ganz anders. Sie drückten einen Wunsch in eine Wolke aus magischer Energie und schoben diese Energie in eine Person oder einen Gegenstand. Es erforderte höllische Konzentration, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten, aber es war viel eleganter. Und schneller – wenn man es denn beherrschte.

Ich sagte lieber nichts, denn die Magier fanden es schon seltsam genug, dass ich Magie inzwischen anders wirkte. Wenn ich ihre Art zu zaubern kritisierte, würde ich mir keine Freunde machen. Und wer weiß, was bei meinem Versuch herausgekommen wäre – sich zu wünschen, unsichtbar zu sein, konnte bestimmt auch hässliche Nebenwirkungen haben. 

Ich gab Nick seine Waffe zurück. Die Runen auf den Zetteln glühten einmal rot auf, der Haftzettelblock fiel auf die Treppe und Nick verschwand.

Sogar seine Waffe wurde unsichtbar. Gute Idee. So würde er unbehelligt bis zu Rikka und Molly kommen und konnte ihnen – falls nötig – gegen den Oger beistehen.

Ich stellte das Headset ab. So wusste ich zwar nicht, wann die Verstärkung eintraf, aber so hörte mich wenigstens auch keiner in Grunzlauten mit einem Oger reden.

»Was macht das andere Menschlein?« Der Oger wiegte seinen Hammer über dem Arm.

»Das geht dich nichts an. Erzähl mir jetzt mal genau, wieso ihr Menschen kennenlernen möchtet. Willst du nach Toronto ziehen und hier arbeiten?« Ich kam mir völlig bescheuert vor. Ich stand im Treppenhaus und palaverte mit einem Oger, der mir jederzeit den Schädel einschlagen konnte. Vielleicht konnte ich noch ein bisschen Berufsberatung anbieten: Sie sind gut im Aufschlitzen und Fressen? Wie wäre es dann mit einer Betätigung in der Abfallwirtschaft?

Egal. Hauptsache, Zeit schinden, bis die Konzernsicherheit eintraf.

Der Oger bleckte starke Schneidezähne, als er mich angrinste. »Ich will herausfinden, wie ihr schmeckt. Vielleicht gut mit Kohl. Oder mit Bier.«

Ups, das klang jetzt doch nicht wirklich nach einem integrationsfähigen neuen Mitbürger. Hastig suchte ich die Datenbank nach den Zaubern ab, die Nick verwendet hatte. Ohne den Oger aus dem Blick zu lassen, klaubte ich den Haftnotizblock auf. Okay, also die erste Rune sah ein bisschen wie ein altmodisches F aus, aber mit drei Querlinien, von denen die eine wie eine Spirale nach innen gerollt war … Ich schob die Naginata in meine Armbeuge und fummelte in meiner Hosentasche nach einem Bleistiftstummel.

Eine dicke grüne Pranke schlug mir den Block aus den Händen. Mit einem flatternden Geräusch verschwand er auf Nimmerwiedersehen im Treppenhaus.

»Wer öffnet die Tür?«, herrschte der Oger mich an. »Du?«

Ich presste die Lippen zusammen. Okay, Konzentration jetzt. Ich konnte die Runen auch mit dem Stift auf mich selbst zeichnen. Nur die vereinfachten Sigillen mit den Fingern in die Luft zu ziehen, war mir zu riskant. Aber wie sollte ich die komplizierten Runen auf mein eigenes Gesicht malen? Ich wollte ja schließlich nicht nur meine Arme unsichtbar machen. Tja, Nick hätte erst mal mich unsichtbar machen sollen, dann sich selbst. 

»Du kannst es nicht«, beschloss der Oger missmutig.

Ich hatte doch bestimmt schon genug Zeit geschunden. Die Security musste jeden Moment im Anmarsch sein. Nur noch ein paar Minuten durchhalten …

»Kehre nach Faerie zurück!« Ich wedelte gebieterisch die Naginata vor dem Gesicht des Ogers. »Hier ist kein Platz für dich!«

»Oach, genug jetzt!«, brüllte der Oger und schwang den Hammer in meine Richtung.

Ich duckte mich und ließ mich von der Treppe fallen, deren Geländer weggebrochen war. Ich schlug ein halbes Stockwerk tiefer mit den Knien auf die Stufen. Meine Schulter prallte gegen die Wand. Autsch. 

Die Naginata entglitt mir bei dem Sturz und rutschte klappernd die Treppe hinunter bis ins Erdgeschoss. Na toll!

Ich rappelte mich auf die Füße und wich Stufe um Stufe nach unten zurück, in Richtung meiner Waffe. Ich drückte auf das Headset, um noch einmal um Hilfe zu bitten. 

Aufgeregte Stimmen brabbelten alle im offenen Kanal durcheinander. Molly war anscheinend schwer verletzt worden, Rikka und Nick hatten leichte Knochenbrüche. Jetzt lieferten sich der zweite Oger und die Security ein Scharmützel in der Tiefgarage. 

Hoffentlich hörte mich in dem Tumult überhaupt jemand. »Ich brauche Verstärkung!«, schrie ich.

Weiter kam ich nicht.

Mit einem genervten Seufzen sprang der Oger auf die Treppe oberhalb von mir. »Menschlein, du langweilst mich. Schick mir ein paar Krieger!«

Ich war mir schmerzlich bewusst, dass alle mit Headset hörten, was jetzt passierte.

»Ich bin ein Krieger dieses Reiches und ich werde es mit meinem Leben beschützen!«, brüllte ich den Oger an.

Der Oger lachte und schwang den Hammer. Ich duckte mich. Er grub sich knirschend direkt über meinem Kopf mit Radau tief in die Wand des Treppenhauses. Bevor ich mich wieder gefangen hatte, wischte mich eine Pranke von den Füßen.

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